Geschichte

Nachfolgend ein wenig geschichtliches über Thailand – dazu einfach auf die jeweiligen Epochen klicken.

Historische Karte von Siam und umliegenden Ländern, Frankreich, 1686

Vorgeschichte Thailand bis 1238

Bronzefunde, die im Jahre 1967 im Dorf Ban Chiang (Nordost-Thailand) ausgegraben  wurden, werden ins 3. Jahrtausend v. Chr. datiert, also etwa zeitgleich mit europäischen Funden. Siedlungen konnten bis ins 5. Jahrtausend v. Chr. nachgewiesen werden und Felszeichnungen finden sich in Phu Phrabat (Udon Thani) und Pha Taem (Ubon Ratchathani).

Die neolithischen Kulturen im heutigen Thailand lassen sich jedoch mit den heutigen Thai nicht in Verbindung setzen. Diese wanderten aus anderen Gebieten ein, und dabei trafen sie auf andere Völker. Die älteste heute bekannte Zivilisation war die Dvaravati-Kultur, deren Zentren wahrscheinlich im heutigen Lopburi, Nakhon Pathom und Lamphun lagen und deren kultureller Höhepunkt im 6. bis 9. Jahrhundert erreicht wurde. Träger dieser Kultur waren buddhistische Mon, die von Landwirtschaft und Handel lebten und im 9. Jahrhundert das Reich Hariphunchai gründeten, das bis ins 11. Jahrhundert von einer Mon-Dynastie beherrscht wurde. Ostthailand wurde zeitweise vom Funan-Reich beherrscht, deren Bevölkerung auch Mon sprechenden Völkern zuzurechnen sein könnte.

Im 11. Jahrhundert wurde die Ebene des Chao Phraya vom Angkor-Reich der Khmer beherrscht. Das heutige Ayutthaya war, wie Inschriften bezeugen, bereits 937 eine Stadt der Khmer. Bis um 1050 dehnte Angkor sich auf Kosten der Mon-Reiche bis Zentralthailand aus.

Im benachbarten Burma wurde ab dem 11. Jahrhundert unter König Anawrahta das Bagan-Reich zu einer bedeutenden Macht. Die malaiische Halbinsel mit dem Süden des heutigen Thailand wurde vom Srivijaya-Reich geprägt. Für das 13. Jahrhundert findet sich die chinesischen Chroniken der Hinweis auf ein Reich namens Chen-li-fu, wobei nicht genau geklärt ist, welches Volk dieses Reich gegründet hat; es ist nicht ausgeschlossen dass es sich hierbei um eine der ersten Staatsgründungen der Thai handelt. Nördlich von Thailand, im heutigen Yunnan, lag Nanzhao, in dessen Südteil damals wahrscheinlich Thai-Völker siedelten. Nanzhao wurde 1253 von den Mongolen erobert.

Einwanderung der Thai`s Die Thai`s wanderten über einen längeren Zeitraum aus dem Norden entlang der Flüsse Mekong, Maenam und Irrawaddy in das Gebiet des heutigen Thailand ein. Das ursprüngliche Siedlungsgebiet der Thai ist nicht genau geklärt. Wahrscheinlich stammen die Thai aus dem heutigen Südchina und Nordvietnam und wurden durch den Druck der Chinesen und Vietnamesen zur Migration Richtung Süden gezwungen. Laut anderen Thesen siedelten die Thai in Nord- oder Zentralchina oder sie waren die Grundbevölkerung des Nanzhao-Reiches; beide Thesen sind jedoch aus heutiger Sicht nicht haltbar. Es ist jedoch wahrscheinlich, dass die Thai südliche Gebiete des Nanzhao-Reiches besiedelten, denn aus chinesischen Quellen geht hervor, dass sie aufgrund ihrer kriegerischen Aktivitäten gefürchtet waren.

Erste schriftliche Belege von der Anwesenheit der Thai als Sklaven finden sich auf Inschriften in Bagan, die um 1120 entstanden sind. Inschriften aus dem Cham-Reich (Mitte des 11. Jahrhunderts), berichten von Syam-Sklaven. Im 12. Jahrhundert ist schließlich belegt, dass Thai in den Heeren von Angkor präsent waren. Bildnisse aus Angkor-Tempeln zeigen deutlich, dass die Thai-Kontingente andere Haartracht und Bekleidung bevorzugten als die Khmer.

Die Thai, ein Bauernvolk, welches Reis auf Bewässerungsfeldern in Ebenen und Tälern anbaute und teils Brandrodungsfeldbau betrieb, stießen bei ihrer Wanderung auf zivilisatorisch weiterentwickelte Völker. Es kam zu Durchmischung und Assimilierung, wobei sich das Thai-Element durchsetzte. Warum sich die Thai gegenüber der bereits ansässigen Bevölkerung durchsetzen konnten, wird teilweise durch ihre Organisation in multiethnischen Mueang erklärt. Thai und Nicht-Thai lebten zusammen in diesen Dorfverbünden, wodurch die Thaiisierung gefördert wurde.

Die ersten Staatsgründungen der Thai waren wahrscheinlich nicht von langer Dauer. Die ältesten Überlieferungen erzählen von einem Land namens Yonok, das ab dem neunten Jahrhundert existiert haben soll, dessen Bewohner sich zum Buddhismus bekannten, und das vom Reisanbau lebte. Wahrscheinlich kam es bereits zu dieser Zeit zu Zusammenstößen mit den Khmer. In Oberburma siedelten sich die Shan, ein weiteres Thai-Volk, an und schwächten Bagan entscheidend, bis seine Hauptstadt 1298 zerstört wurde. Dies und der langsame Niedergang des Khmer-Reiches erlaubte es den Thai, eigene größere und stabile politische Einheiten zu bilden, etwa um Luang Prabang (heute Laos) oder das westlich des heutigen Chiang Rai von Prinz Phrom gegen Ende des 10. Jahrhunderts gegründete Königreich Fang, das sich bis nach Sawankhalok (heute ein Amphoe der Provinz Sukhothai) ausdehnte.

Lan NaIn der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts erlangte in Nordthailand ein erster Thai-Staat eine größere Machtfülle. Auf Basis des Fürstentums Chiang Saen gründete Mengrai ein Königreich, das Lan Na – „Land der Millionen Felder“ – oder nach seiner Hauptstadt Chiang Mai genannt wurde. Ihm gelang die Eroberung von Hariphunchai und ließ sich 1281 in Lamphun krönen. Mengrai gründete Chiang Rai und Chiang Mai, widersetzte sich der Gefahr der Mongolen, die das Reich von Norden bedrohten, und schloss einen Freundschaftsvertrag mit König Suddhasoma von Pegu. Lan Na und andere Königreiche in Nordthailand behielten über mehrere Jahrhunderte hinweg gegenüber dem restlichen Thailand ein großes Maß an Unabhängigkeit.

(source: wikipedia.org – http://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_Thailands)

Thailand - Das Reich von Sukhothai ( 1238 bis 1350)

Südlich von Lan Na hatte es bereits seit längerem Auseinandersetzungen zwischen Khmer und Thai gegeben. Nach einer Rebellion gegen die Khmer setzte sich ein Gouverneur an die Spitze eines Thai-Staates und ließ sich im Jahre 1238 als Sri Indraditya krönen. Ihre Hauptstadt nannten die Thai Sukhothai (eine Legende spricht von einer Gründung etwa 500 n. Chr. durch den sagenhaften König Chao Aluna Khmara, dem legendären Phra Ruang, der von einer mythischen Naga-Prinzessin abstammen soll).

Der bedeutendste Herrscher von Sukhothai war König Ramkhamhaeng (1275–1298). Zu Beginn seiner Herrschaft waren nur einige Städte in der Umgebung Sukhothais unter seiner Kontrolle, bei seinem Tod entsprach der Einflussbereich Sukhothais etwa dem des heutigen Thailand. Außenpolitisch normalisierte Ramkhamhaeng die Beziehungen mit China, indem er eine Tributgesandtschaft entsandte. Die Kooperation mit den anderen Thai-Königen Mengrai und Ngam Mueang (Phayao-Reich) gegen die von Norden her drohenden Mongolen ist bemerkenswert, ebenso der Respekt, mit dem die Herrscher einander begegneten. Innen- wie außenpolitisch wurde die Vorherrschaft der Khmer für immer beseitigt.

In einer berühmten Inschrift, die auf das Jahr 1292 zurückgeht und sich heute im Nationalmuseum Bangkok befindet, berichtet Ramkhamhaeng darüber, wie er das Land regierte. So beachtete er die Treue des Sohnes vor dem Vater, er war milde zu gefangenen Feinden, er behandelte das Eigentum und das Erbe seiner Untertanen mit Respekt und er schuf keine Handelshemmnisse. Er berichtet von einer Glocke, wo jeder seiner Untertanen läuten konnte, um vom König angehört zu werden. Die Inschrift behandelt auch ein Bekenntnis zum Buddhismus sowie die Verehrung des Geistes Phra Khapung. Ramkhamhaeng berichtete auch, im Jahr 1283 die thailändische Schrift entwickelt zu haben. Trotzdem sich der Herrscher als Vater seiner Untertanen sah und der Milde, die den Herrschern von Sukhothai nachgesagt wird, kannte dieser Staat eine recht klare soziale Differenzierung zwischen Freien, Sklaven und Aristokraten. Aus dem später erstellten Mangraisat geht hervor, dass alle Freien die Hälfte ihrer Arbeitskraft dem Herrn schuldeten.

Es herrschte das Prinzip, dass, wer ein Stück Natur urbar machte, den Besitz an diesem Land erwarb. In Wirtschaftsfragen galt weithin das Laissez-faire-Prinzip. Dies führte zu einer raschen wirtschaftlichen Entwicklung und schneller territorialer Ausbreitung. Sukhothai erfreute sich hohen wirtschaftlichen Wohlstandes, und im Inneren herrschte weitgehend Frieden.

Im Sukhothai-Reich wurde der Theravada-Buddhismus von den Mon übernommen und tief in der Gesellschaft verankert. Es wurden zahlreiche Buddha-Bildnisse mit den charakteristischen weichen Formen geschaffen. Die Kunst Sukhothais gilt heute als originellste und schönste in der Geschichte Thailands. Die Nachfolger Ramkhamhaengs waren neben Königen auch buddhistische Gelehrte; König Li Thai schuf das erste siamesisch-buddhistische Buch namens Predigt über die drei Welten.

Die Nachkommen Ramkhamhaengs waren alle keine großen Feldherren, das Reich verlor schnell Einfluss und Territorium, bereits Ramkhamhaengs Enkel Li Thai soll sich freiwillig seinem überlegenen Nachbarn Ayutthaya, gebeugt und abgedankt haben.

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Thailand - Das Reich von Ayutthaya ( 1351 bis 1767)

Das Königreich Ayutthaya wurde durch den charismatischen Fürsten und ersten König Ramathibodi I. im Jahre 1351 gegründet und bestimmte in der Folge für etwa 400 Jahre mit 33 Herrschern und sieben Dynastien das Geschehen im heutigen Thailand. Den frühen Königen, besonders Boromaracha II., gelang es während einer Periode von etwa 100 Jahren, eine Hegemonie über alle Fürstentümer im heutigen Thailand aufzubauen und diese durch Unterwerfung oder Aufbau von Verwandtschaftsverhältnissen an sich zu binden. Darunter war auch Sukhothai, welches erst nach 1438 absorbiert werden konnte. Die Hauptstadt des östlich gelegenen Angkor-Reiches wurde zweimal erobert; zahlreiche Kriegsgefangene, darunter hohe Beamte, Brahmanen und Künstler des Reiches wurden als Kriegsgefangene in Ayutthaya angesiedelt. Das Resultat war, dass das Khmer-Reich niederging und dass viele Traditionen von Angkor im Königreich Ayutthaya weitergeführt wurden. Dazu gehörte etwa das gottgleiche Königtum im Unterschied zum väterlichen Königtum Sukhothais. Im Süden des Landes kam es zu einer Konfrontation mit dem Sultanat Malakka. Der Norden des heutigen Thailand konnte jedoch nicht permanent unter die Herrschaft von Ayutthaya gebracht werden und blieb weitgehend unabhängig.

Unter König Trailok wurde das Reich zentralisiert, die Macht der Regionalfürsten gebrochen und das Sakdi Na-System eingeführt, welches dem König eine effiziente Mobilmachung von Arbeitskräften oder Truppen für den Kriegsfall ermöglichte. Ayutthaya verfügte somit über das effizienteste Staatswesen in Südostasien, schwächte sich aber immer selbst durch lähmende Rivalitäten um den Thron. Eine solche Periode der Schwäche führte in der Mitte des 16. Jahrhunderts zu einer erfolgreichen Invasion der Burmesen, die unter Bayinnaung zunächst Lan Na eroberten und die 1569 die Hauptstadt einnahmen. Prinz Naresuan, der später König wurde, gelang es nach Freilassung aus seiner Gefangenschaft in Burma, neue Truppen aufzustellen, die Burmesen abzudrängen und schließlich den Thronfolger der Burmesen in der Schlacht von Nong Sarai zu töten. Naresuan konnte seine Herrschaft in der Folge schnell festigen und es gelang ihm auch, die bedeutenden Handelsstädte Tenasserim und Tavoy zu erobern.

Auseinandersetzung mit den KolonialmächtenTraditionell lebten in Ayutthaya zahlreiche chinesische, persische und arabische Händler. Die ersten Europäer, die in das Land kamen, waren die Portugiesen im Jahre 1511. Sie schlossen einen Vertrag, der ihnen die Einrichtung eines Handelsstützpunktes im Austausch für Waffen und Söldner gestattete. Die erste Hälfte des 17. Jahrhunderts, in denen die Könige Ekathotsarot, Songtham und Prasat Thong regierten, stand dann ganz im Zeichen der Auseinandersetzung mit den Kolonialmächten Niederlande, Großbritannien und Frankreich. Sie alle gründeten Handelsniederlassungen und Faktoreien in Südthailand und vor den Toren der Hauptstadt. Die Könige von Ayutthaya profitierten von der Anwesenheit der Europäer, die sich beim Bau von Befestigungsanlagen und Palästen hervortaten. Im Gegenzug wurde die Einrichtungen von katholischen Missionen erlaubt. Siamesische Delegationen besuchten die Niederlande und Frankreich. Ausländer brachten es sogar auf hohe Positionen als Provinzgouverneure, Minister oder Berater des Königs, wie etwa der Grieche Constantine Phaulkon. Die Rivalität zwischen den Kolonialmächten, die von den Siamesen auch zu ihren Gunsten ausgenutzt wurde, bedingte eine Anwesenheit von Soldaten und die Befestigung der Handelseinrichtungen. Dies missfiel vor allem dem siamesischen Adel, der 1688 eine Krankheit des Königs Narai zum Anlass nahm zu revoltieren, Phetracha zum neuen König einzusetzen, den einflussreichen Phaulkon hinzurichten, die Ausländer auszuweisen und die Missionierung zu verbieten. Dieses Ereignis, das auch als Siamesische Revolution bezeichnet wird, führte dazu, dass die Europäer in der Geschichte des Landes der nächsten 150 Jahre keine Rolle mehr spielten.

Goldenes Zeitalter und Niedergang von AyutthayaDas Land schottete sich nach 1688 jedoch nicht ab, sondern führte einen blühenden Handel mit seinen Nachbarn sowie China, Persien und Arabien. Es begann eine Periode, die trotz blutiger Kämpfe um den Thron von Frieden und Stabilität gekennzeichnet war. Es blühten Kunst, Literatur und Theater. Diese Zeit bildete den Höhepunkt der Literatur Thailands, der königliche Hof wurde Mittelpunkt des literarischen Lebens. Übersetzungen aus dem Sanskrit, dem Khmer, dem Pali und aus dem Javanischen förderten die Ausdruckskraft der Thai-Sprache. Viele Bauprojekte wurden verwirklicht, die Hegemonie über Laos und Kambodscha wurde durchgesetzt. Gleichzeitig jedoch gelang es den führenden Familien des Landes, ihre Kontrolle über die Untertanen des Landes auf Kosten jener des Königs auszuweiten. Die Zentralgewalt wurde somit geschwächt, den außenpolitischen Möglichkeiten des Landes wurden Grenzen gesetzt.

Gleichzeitig zum goldenen Zeitalter in Ayutthaya etablierte sich im benachbarten Burma die Konbaung-Dynastie, die nach ihrer Konsolidierung eine aggressive Expansionspolitik betrieb. 1759 verlor Ayutthaya seine Besitzungen im heutigen Südburma, kurz darauf erfolgte eine erste Belagerung seiner Hauptstadt. Nach dem Tod von König Alaungpaya zogen sich die Burmesen zeitweilig zurück, bis 1766 eine einjährige Belagerung der Hauptstadt unter König Hsinbyushin begann, die 1767 zum Fall der Stadt und zu ihrer vollständigen Zerstörung führte. Die königliche Familie kam im Krieg entweder um oder wurde als Kriegsgefangene nach Burma geführt. Zahlreiche Schriften und Kunstwerke gingen verloren. Ayutthaya wurde später nicht mehr Hauptstadt Thailands.

(source: wikipedia.org – http://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_Thailands)

Thailand - Thonburi Periode ( 1767 bis 1782)

Der chinesisch stämmige General Taksin konnte aus der belagerten Stadt Ayutthaya fliehen und sich nach Ostthailand absetzen. Dort gelang es ihm, neue Truppen zu formieren und den Widerstand gegen die Burmesen zu organisieren. Es kam ihm zugute, dass Burma zur gleichen Zeit von einer Invasion Chinas bedroht wurde und sie deshalb nur sehr schwache Besatzungstruppen in Ayutthaya beließen. Bereits im Oktober 1767 gelang es ihm, die Hauptstadt zurückzuerobern. Ayutthaya wurde jedoch nicht wieder Zentrum des Reiches, sondern das strategisch günstiger gelegene Thonburi.

Nach der einjährigen Belagerung war die Versorgungslage der Bevölkerung katastrophal. Taksin führte zahlreiche Maßnahmen ein, um die Notlage zu mindern, wobei er auch die Hilfe von einflussreichen chinesischen Familien in Anspruch nahm. So mussten alle Staatsangestellten ungeachtet ihres Ranges auf den Feldern arbeiten; Disziplinmangel, Korruption, Feigheit oder Schmuggel wurden auf das härteste bestraft. Um ein effizienteres Durchgreifen des Staates auf die Arbeitsleistungen der Untertanen zu ermöglichen, ließ er alle Unfreien tätowieren. Er brach mit der Tradition der gottgleichen Könige von Ayutthaya und war ein Herrscher, der sich um viele Details persönlich kümmerte.

Das Reich, das nach dem Fall der Hauptstadt in mehrere Staaten zerfallen war, konnte er bis 1770 wiedervereinigen. 1776 gelang ihm sogar die Eroberung von Lan Na. 1768 vergrößerte er den siamesischen Einfluss in Kambodscha und 1778 unterwarf er Laos, von wo er den berühmten Smaragd-Buddha, eines der größten Heiligtümer des Buddhismus, mitbrachte.

Auf seinen Kriegszügen stachen zwei seiner Generäle besonders hervor: die Brüder Chao Phraya Chakri und Chao Phraya Surasi. Sie entstammten der Aristokratie von Ayutthaya, waren mit reichen chinesischen Familien verbunden und hatten somit eine höhere gesellschaftliche Stellung als Taksin. Es entwickelte sich eine Rivalität zwischen Chakri und Taksin. Zum Ausgang dieses Konfliktes und zum Ende Taksins gibt es zwei Geschichtsschreibungen. Gemäß der ersteren verfiel Taksin zunehmend dem Wahnsinn und verhängte zahlreiche Todesurteile gegen Menschen aus seiner Umgebung, was zu einer Revolte gegen ihn führte. Gemäß der zweiten Geschichtsschreibung war er sehr wohl bei gesundem Verstand und taktierte geschickt, um das sich gegen ihn anbahnende Übel abzuwenden. Jedenfalls wurde er verhaftet, verurteilt und 1782 hingerichtet. Dies geschah, weil das Blut des Königs nicht vergossen werden durfte, durch Einhüllen in einen Sack und Erschlagen mit einer Keule aus Sandelholz.

(source: wikipedia.org – http://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_Thailands)

Thailand - Die Chakri-Dynastie (1782 bis heute)

Chakri bestieg den Thron unter dem Namen König Phuttayodfa (Rama I.) als 45-Jähriger im Jahre 1782. Es ist wahrscheinlich, dass er und seine Familie die Thronbesteigung bereits zu Lebzeiten seines Vorgängers Taksin geplant hatten. Nach seiner Krönung betrieb er eine systematische blutige Ausrottung der Anhänger Taksins, was der typischen Vorgehensweise der Usurpatoren in der thailändischen Geschichte entspricht.

Die neue Dynastie verlegte die Hauptstadt von Thonburi nach Rattanakosin, dem heutigen Bangkok. Bangkok war bis dahin nur eine kleine Siedlung mit einem Fort gewesen, sie lag jedoch strategisch günstig am östlichen Ufer des Maenam Chao Phraya und war unter den ausländischen Händlern als Schlüssel nach Siam bekannt. Mit Material aus Ayutthaya wurden neue Paläste und Tempel errichtet. Für den Smaragd-Buddha wurde der Wat Phra Kaeo gegründet. Der König setzte sich zum Ziel, die alte Pracht von Ayutthaya auf die neue Hauptstadt zu übertragen. In seiner neuen Hauptstadt ließ Rama I. sich im Jahre 1785 in einer prunkvollen Zeremonie krönen.

Außenpolitisch war die Regierungszeit von Rama I. durch die nach wie vor akute Bedrohung durch Burma geprägt. Unter ihrem neuen König Bodowpaya fanden sechs Feldzüge der Burmesen gegen Siam statt. 1785 griffen fünf Armeen gleichzeitig das Territorium Siams an, während 1786 eine machtvolle Armee über den Drei-Pagoden-Pass einmarschierte. In allen Fällen blieb nach wechselvollen Kämpfen die siamesische Seite siegreich. Auch Nordthailand konnte ab 1805 weitgehend unter Kontrolle Bangkoks gebracht werden. Versuche von seiten Rama I., Südburma zu erobern, wo sich einige bedeutende Handelshäfen befanden, waren nicht von Erfolg gekrönt. Diese Auseinandersetzung war die letzte dieser zwei rivalisierenden Mächte in Südostasien.

Kambodscha wurde zur Zeit von Rama I. praktisch wie eine Provinz von Siam verwaltet, da der Rivale Vietnam mit inneren Problemen zu kämpfen hatte. Erst als der neue Kaiser Gia Long den Thron bestiegen hatte, wurde der Einfluss Siams in Kambodscha wieder bekämpft. Die Beziehungen zu Vietnam nahmen in dieser Epoche beginnend einen bedeutenden Rang ein. Mit den europäischen Kolonialmächten gab es während der Regierungszeit von Rama I. keine nennenswerten Beziehungen.

Zu einer der bedeutendsten Leistungen von Rama I. gehört, dass er ab 1804 alle Gesetze des Landes sammeln, prüfen und in einem (in heutigem Druck) 1700 Seiten starken Werk kodifizieren ließ. Diese so genannte Drei-Siegel-Gesetze blieben in ihren Grundzügen bis Anfang des 20. Jahrhunderts gültig.

Auch auf kulturellem Gebiet erlangte Siam ein hohes Niveau. So wurde der buddhistische Kanon (Dreikorb) gesammelt und im Rahmen eines Großen Rates neu formuliert. Die Künste wurden gefördert, schon allein durch die Erbauung neuer Paläste und Tempel in der neuen Hauptstadt. Aber auch Literatur und Theater blüten, in dieser Epoche entstanden Werke wie das bedeutende, 3000 Seiten starke Ramakian. Werke aus dem Chinesischen, Mon, dem Javanischen, dem Persischen und den indischen Sprachen wurden nach Thai übersetzt.

Rama I. führte als erster König der Chakri-Dynastie in vielerlei Hinsicht die Traditionen von Ayutthaya fort. Das neue Reich war jedoch noch straffer zentralisiert als seine Vorgängerreiche. Eine besonders wichtige Neuerung war die stärkere Betonung von Rationalität in der Beziehung zwischen dem Monarchen und seinen Untertanen. Rama I. war der erste König in der Geschichte des Landes, der seine Entscheidungen vor den höchsten Beamten begründete oder rechtfertigte.

Aufrechterhaltung des Status quo unter Rama II. und Rama III – Rama II. (Phra Phuttaloetla) war der Sohn von Rama I.. Seine Thronbesteigung war von einem Komplott begleitet, bei dessen Niederschlagung 40 Personen hingerichtet wurden. Die innen- und außenpolitische Ruhe, die in der Folge während der Regierungszeit von Rama II. und seinem Nachfolger Rama III. (Phra Nang Klao) herrschte, wurde vor allem durch das Nachgeben in Konflikten und den Aufbau von guten Beziehungen zu einflussreichen Clans im Inland erreicht.

Außenpolitisch dominierten zunächst die Beziehungen zu den Nachbarstaaten, während jene zu den europäischen Kolonialmächten in den Hintergrund traten. In Kambodscha und Laos errang Vietnam die Vorherrschaft, was Rama II. zunächst akzeptierte. Als in Vietnam eine Rebellion ausbrach, wurde unter Rama III. 1833/34 versucht, die Vietnamesen militärisch zu bezwingen, was jedoch zu einer verlustreichen Niederlage der siamesischen Truppen führte. In den Vierziger Jahren gelang es jedoch den Khmer selbst, die Vietnamesen zu vertreiben, was in der Folge zu einem höheren Einfluss Siams in Kambodscha führte. Gleichzeitig blieb Siam Tributzahler an China.

Zu einem potentiell gefährlichen Ereignis kam es 1827, als laotische Truppen unter König Anuvong in Richtung Bangkok vorrückten. Sie konnten jedoch vernichtet werden, was die Position Siams in Laos festigte; alle laotischen Gebiete westlich des Mekong wurden zu siamesischen Provinzen erklärt.

Zu einer ernsten Berührung der englischen Kolonialinteressen kam es, als Siam 1821 das Sultanat Kedah auf der malaiischen Halbinsel eroberte. Kedah gehörte zur Interessenszone Englands; im Folgejahr muss der Siam nach zähen Verhandlungen mit dem englischen Gesandten John Crawfurd den Status vor der Eroberung wieder anerkennen. Es ist in dieser Epoche auch die zaghafte Wiederaufnahme von Handels und Missionierung zu verzeichnen. Vor allem englische Händler wie Robert Hunter (Entdecker der Siamesischen Zwillinge) oder James Hayes, aber auch Missionare wie Jacob Tomlin, Karl Gützlaff, Dan Beach Bradley oder Jean-Baptiste Pallegoix wurden in Siam aktiv. Im Jahre 1825 wurde mit dem englischen Emissär Henry Burney ein Handelsabkommen geschlossen; Siam musste den britischen Kolonialbesitz auf der malaiischen Halbinsel anerkennen. Dieses Abkommen kam nicht zuletzt unter dem Eindruck des schnellen englischen Erfolges im ersten anglo-birmanischen Krieg zu Stande.

In das 19. Jahrhundert fällt auch der Beginn der chinesischen Masseneinwanderung nach Siam. Durch die Verfügbarkeit von chinesischen Arbeitern blühten Handel, Landwirtschaft und Handwerk auf. Es mussten jedoch auch die ersten chinesischen Rebellionen niedergeschlagen werden.

Unter Rama II. und Rama III. erreichten Kultur, Tanz, Dichtung und vor allem das Theater einen Höhepunkt. Im Tempel Wat Pho wurde von Rama III. die erste Universität des Landes gegründet.

Die Regierungszeit von Rama III. wurde schließlich von einer Spaltung der Aristokratie in Bezug auf die Außenpolitik gekennzeichnet. Einer kleinen Gruppe von Befürwortern der Übernahme von westlichen Technologien und anderen Errungenschaften standen konservative Kreise, die für eine stärkere Abschottung eintraten, gegenüber. Da die Könige Rama II. und Rama III. zu den konservativ-religiösen Kreisen zu zählen waren, dominierte weitgehend eine isolationistische Tendenz.

Der Tod von Rama III. im Jahre 1851 bedeutete auch das Ende der alten siamesischen Monarchie: es gab bereits deutliche Anzeichen von tief gehenden Veränderungen, die von den beiden Nachfolgern des Königs umgesetzt werden mussten.

Siam im Umbruch – Reformen unter Rama IV. und Rama V.Als König Mongkut (Rama IV.) den siamesischen Thron bestieg, war dieser von außen stark bedroht. Die Kolonialmächte England und Frankreich waren bereits in Territorien vorgestoßen, die ursprünglich zur siamesischen Einflusszone gehörten. Mongkut und sein Nachfolger Chulalongkorn (Rama V.) erkannten diese Lage und versuchten, die Abwehrkräfte Siams durch Modernisierung zu stärken, westliche wissenschaftlich-technische Errungenschaften zu absorbieren und so der Kolonisierung zu entgehen.

Die beiden Monarchen, die in dieser Epoche regierten, waren die ersten mit westlicher Bildung. König Mongkut hatte 26 Jahre lang zuerst als Wandermönch und später als Abt des Wat Bowonniwet gelebt. Er war nicht nur in den traditionellen und buddhistischen Wissenschaften Siams bewandert, sondern er hatte sich auch intensiv mit den modernen westlichen Naturwissenschaften auseinandergesetzt, wobei er das Wissen von europäischen Missionaren und aus seiner Korrespondenz mit westlichen Staatsoberhäuptern sowie dem Papst bezog. Er war der erste siamesische Monarch, der die englische Sprache beherrschte. Sein Sohn Chulalongkorn, der 1873 als 20-Jähriger den Thron bestieg, hatte neben einer traditionellen siamesischen Erziehung auch eine englische Erzieherin gehabt. Er hatte in jungen Jahren die durch ausländische Mächte kolonisierten Gebiete Asiens bereist und dort die technischen Fortschritte studiert. Wiederholt bereiste er sein eigenes Land inkognito und besuchte Europa zweimal in den Jahren 1897 und 1907.

Offizielles Wappen des Königreichs Siam 1873-1910Bereits 1855 erschien John Bowring auf einem englischen Kriegsschiff in Bangkok. Unter dem Eindruck der Erfolge, die England im benachbarten Burma erzielen konnte, unterschrieb König Mongkut den sogenannten Bowring-Vertrag, der das königliche Außenhandelsmonopol aufhob, die Importzölle herabsetzte und England eine Meistbegünstigungsklausel einräumte. Der Bowring-Vertrag bedeutete die Integration Siams in die Weltwirtschaft, gleichzeitig verlor das Königshaus aber seine wichtigsten Einnahmequellen. Ähnliche Verträge wurden in den folgenden Jahren mit allen westlichen Mächten abgeschlossenen, so etwa 1862 mit Preußen und 1869 mit Österreich-Ungarn. Vom preußischen Emissär Graf Friedrich zu Eulenburg stammt ein vielbeachteter Reisebericht über Siam. Die Überlebensdiplomatie, die Siam schon seit langer Zeit außenpolitisch gepflegt hatte, erreichte somit in dieser Epoche ihren Höhepunkt.

Die Integration in die Weltwirtschaft bedeutete für Siam, dass es ein Absatzmarkt für westliche Industriewaren und ein Anlageplatz für westliches Kapital wurde. Es begann der Export von agrarischen und mineralischen Rohstoffen. So wurden um 1900 mit den drei Produkten Reis, Zinn und Teakholz 90 % des Exportumsatzes erzielt. König Mongkut förderte die Ausweitung der agrarischen Nutzfläche aktiv durch Steueranreize, gleichzeitig ermöglichten die Errichtung von Verkehrswegen (Kanäle, Straßen und später auch Eisenbahnlinien) sowie der Zustrom von chinesischen Immigranten die landwirtschaftliche Erschließung neuer Regionen.

Auf politischem Gebiet wurde der Absolutismus beibehalten, es wurde jedoch ein beratendes Gremium, der Staatsrat, geschaffen und 10 Fachministerien aufgebaut. Alle führenden Beamten waren jedoch wie früher Adelige und wurden vom König ernannt.

Es wurde eine Armee nach ausländischem Vorbild aufgebaut, Kriegsschiffe angeschafft und europäische Berater in das Offizierkorps aufgenommen. Hierbei wurde große Sorgfalt darauf verwendet, keiner europäischen Macht zu großen Einfluss zu verschaffen. Eine zweijährige allgemeine Wehrpflicht wurde eingeführt. Um 1900 hatte das siamesische Heer eine Stärke von 15.000 Mann.

Um 1900 wurde ein Justizministerium geschaffen, neue Gesetze nach westlichem Vorbild wie ein Strafrecht oder ein Wirtschaftsrecht wurden eingeführt. Die Exekutive und Judikative wurden voneinander getrennt. Ziel dieser Maßnahmen war nicht zuletzt die Abschaffung der Konsulatsgerichtsbarkeit, die es den ausländischen Mächten erlaubte, in Siam über ihre eigenen Bürger Gericht zu halten.

Gebietsansprüche, die von Siam im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert aufgegeben werden mussten.

Ein staatliches Schulwesen wurde eingeführt, da die traditionelle Bildung, die den Jungen in den Tempeln und Klöstern vermittelt wurde, den modernen Anforderungen nicht mehr entsprach. Ab 1900 entstanden auch Schulen für Mädchen. Die von König Chulalongkorn gegründeten Fachschulen bildeten die Basis für die spätere Gründung von vollwertigen Universitäten. Für Bildung wurde jedoch ein sehr geringer Teil des Staatsbudgets aufgewendet, weshalb das Ziel, Allgemeinbildung für jedes Kind anzubieten, nicht erreicht werden konnte.

Auf sozialem Gebiet wurde die persönliche Unfreiheit Schritt für Schritt abgeschafft. An die Stelle der Arbeitsdienste, die die Untertanen ihren Herren schuldeten, traten Steuern in Geldform. Dies brachte erhebliche Produktivitätsgewinne mit sich, gleichzeitig lockerten sich traditionelle persönliche Abhängigkeitsverhältnisse.

Gegen die Modernisierung regte sich auch Widerstand im eigenen Land: so musste 1875 eine Palastrevolte niedergeschlagen werden, wiederholt kam es zu Bauernaufständen in Nord- und Nordostsiam aufgrund der für Bauern sehr hohen Steuern und um die Jahrhundertwende wurde in Bangkok die erste Gewerkschaft gegründet.

Auf außenpolitischem Gebiet mussten die beiden Könige Mongkut und Chulalongkorn mit ansehen, wie sich das Kolonialreich Frankreichs in seiner unmittelbaren Nachbarschaft ausdehnte. Nachdem Frankreich Südvietnam erobert hatte, stellte es den Anspruch einer Schutzmacht für Kambodscha und zwang Siam unter militärischen Drohungen, auf jeglichen Einfluss auf seinen früheren Vasallenstaat zu verzichten. 1887 wurde die indochinesische Union gegründet, an die 1893 auch Laos angeschlossen wurde. Zum Bau eines Kanals durch den Isthmus von Kra, den eine Unternehmergruppe um den Ingenieur Ferdinand de Lesseps anstrebte, kam es nach britischer Intervention nicht. England hatte 1885 im dritten anglo-burmesischen Krieg Nordburma erobert. Es schloss 1896 mit Frankreich einen Vertrag, welcher den Mekong zur Grenze zwischen den beiden Kolonialmächten machte und Siam, definiert als das Becken des Menam, die Unabhängigkeit als Pufferstaat einräumte. In den folgenden Jahren verlor Siam noch alle verbliebenen kambodschanischen Provinzen an Frankreich und die malaiischen Sultanate an England, so dass die siamesische Hoheit über seine Nachbarvölker 1910, als König Chulalongkorn starb, zu Ende war.[20][21]

Nationenbildung unter Vajiravudh und Prajadhipok / Rama VI. (Vajiravudh) – Nachfolger von König Chulalongkorn wurde im Oktober 1910 König Rama VI., besser bekannt als Vajiravudh. Er hatte als designierter Thronfolger in Großbritannien Recht und Geschichte studiert. Nach seiner Thronbesteigung vergab er wichtige Beamtenposten an ihm ergebene Freunde, die nicht zum Adel gehörten und dazu noch weniger qualifiziert waren als ihre Vorgänger, ein bis dahin in Siam nicht dagewesenes Vorgehen. In seine Regierungszeit (1910 – 1925) fallen einige Änderungen, die Siam dem Ausland noch stärker annäherten. So wurde der gregorianische Kalender eingeführt, alle Bürger seines Landes mussten einen Familiennamen annehmen, besonders Frauen wurden zum Tragen von westlicher Kleidung und westlichen Frisuren ermuntert und ein Staatsbürgerschaftsgesetz, welches auf dem Jus sanguinis beruhte, wurde erlassen. Anstrengungen im Bildungsbereich wurden verstärkt, so wurde 1917 die Chulalongkorn-Universität gegründet und eine Schulpflicht für alle 7- bis 14-Jährigen eingeführt. Wegen akuten Geldmangels realisierte man diese zunächst jedoch nur für etwa die Hälfte der Kinder.

König Vajiravudh war ein Liebhaber von Literatur und Theater und übersetzte ausländische Literatur in seine Muttersprache. Er schuf das geistige Fundament für eine Art Thai-Nationalismus, ein Phänomen, welches in Siam bis dahin unbekannt war. Er beruhte auf der Einheit von Nation, Buddhismus und Königtum und verlangte von seinen Untertanen Treue zu allen diesen drei Institutionen. König Vajiravudh erging sich auch in einem irrationalen und widersprüchlichen Anti-Sinizismus. Durch die Masseneinwanderung waren, im Unterschied zu früheren Einwanderungswellen aus China, auch vermehrt Frauen und ganze Familien ins Land gekommen, was dazu führte, dass die Chinesen sich weniger assimilierten und mehr ihre kulturelle Eigenständigkeit bewahrten. In einem Artikel, den König Vajiravudh unter einem Pseudonym veröffentlichte, bezeichnete er die chinesische Minderheit als Juden des Ostens.

König Vajiravudh schuf auch einige neue gesellschaftliche Vereinigungen, zum Beispiel das Korps der wilden Tiger (1911) oder eine Art Pfadfinderbewegung (1912).

Im Jahre 1912 wurde eine Verschwörung aufgedeckt. Die Verschwörer hatten heterogene Ziele und kein klares Programm, waren von der erfolgreichen republikanischen Revolution in China inspiriert und es gehörten viele chinesischstämmige Armeeangehörige zu ihnen. Der König ging hart gegen die Verschwörer vor und ließ viele von ihnen zu langen Haftstrafen verurteilen. Das Militär und die Marine, früher Stützen des Königtum, hatten sich zu einer Herausforderung gewandelt. 1917 gab es einen weiteren Putschversuch, der ebenfalls scheiterte.

Als der Erste Weltkrieg ausbrach, war Siam von zwei Mächten der Entente eingeschlossen. Jede Parteinahme für die Mittelmächte wäre gefährlich gewesen. Siam entschied sich deshalb zunächst für Neutralität und, als der Sieg der Entente sich abzeichnete, erklärte es den Mittelmächten den Krieg, beschlagnahmte deutsches Eigentum in Siam, wies sämtliche Bürger der Mittelmächte aus und entsandte 1300 Soldaten nach Frankreich in den Krieg. Somit gehörte Siam nach Kriegsende zu den Siegermächten. Nach langen und zähen Verhandlungen erreichte Außenminister Prinz Devawongse Varoprakar ein Ende der exterritorialen Rechtsprechung und ein neues Zollgesetz. Dies hatte jedoch auf die Wirtschaft keinerlei Auswirkungen. Siam blieb ein Lieferant für Rohstoffe, importierte Industriegüter und die Gewinne flossen in der Regel ins Ausland ab.

Als König Vajiravudh im Jahr 1925 starb, hatte sich in der Intelligenzschicht des Landes eine gewisse Unzufriedenheit mit der Monarchie breitgemacht. Obwohl Vajiravudh wichtige Posten an Nichtadelige vergab, fand keine Umgestaltung der politischen Institutionen statt. Auch der kostspielige, luxuriöse und teils ausschweifende Lebensstil des Monarchen erregte Missfallen.

Nachfolger König Prajadhipok (Rama VII.) etablierte eine neue Institution, den Obersten Staatsrat. Er wurde mit einflussreichen Mitgliedern der königlichen Familie besetzt. Da in der Elite des Landes zunehmend die Errichtung einer konstitutionellen Monarchie gefordert und diskutiert wurde, ließ er eine Verfassung ausarbeiten, die jedoch aufgrund von Widerständen im Königshaus selbst nicht umgesetzt wurde.

Die Weltwirtschaftskrise traf in jener Zeit auch Siam hart. Der Preis für Siams wichtigstes Exportgut, den Reis, verfiel. Als Folge davon sanken auch das Einkommen der Bauern und die Staatseinnahmen. Vor dem Hintergrund dieser sozialen und wirtschaftlichen Schwierigkeiten kam es 1932 zu einem Staatsstreich, infolgedessen sich der König einer Verfassung unterwerfen musste.[22][23]

Übergang zur konstitutionellen Monarchie / Militär vor der Thronhalle während des Staatsstreichs 1932 –  Ein kleiner Kreis aus der neuen bürgerlichen Elite kommender, ehemaliger Studenten (die allesamt ihr Studium in Europa – meist Paris – absolviert hatten), unterstützt von einigen Militärs, war es, der die absolute Monarchie am 24. Juni 1932 in einem nahezu gewaltlosen Putsch stürzte. Die Gruppe, die sich Khana Ratsadorn („Volkspartei“) nannte, war ideologisch heterogen und nur durch die gemeinsame Ablehnung der absoluten Monarchie getragen. Sie versammelte Offiziere, Intellektuelle und Bürokraten, die teilweise sehr unterschiedliche Vorstellungen vertraten. Die sogenannten Förderer installierten eine konstitutionelle Monarchie mit Prajadhipok als König an der Spitze – eine entsprechende Verfassung wurde am 10. Dezember des Jahres verkündet (weshalb der 10. Dezember in Thailand ein Feiertag ist). Am selben Tag wurde Phraya Manopakorn Nititada, der bereits seit dem 28. Juni provisorischer Premier gewesen war, zum Premierminister ernannt. Die folgenden Jahre sind von Kämpfen mit der um die Wiedererlangung der absoluten Macht ringenden Aristokratie bestimmt, aber auch von Auseinandersetzungen der verschiedenen Fraktionen innerhalb der Volkspartei.

Im Juni 1933 scheiterte ein royalistischer Gegenputsch, das Militär unter Phraya Phahon Phonphayuhasena ergriff die Macht. Ein weiterer bewaffneter Aufstand im Oktober 1933 wurde ebenfalls niedergeschlagen. 1935 dankte der König ab, er starb 1941 im englischen Exil. Allerdings führte der Sturz der Monarchie nicht zu freien Wahlen, politische Zusammenschlüsse blieben verboten. Bürokratie und Militär teilten sich die Macht in der Nationalversammlung. Die Verfassung wurde der monarchistischen Staatsideologie („Nation, Religion, König“) als vierte Säule beigefügt. Im April 1933 erließ die Regierung die „Anti-Kommunismus-Verordnung“, die die Unterstützung kommunistischer Ideen mit zehn Jahren Haft bedroht. Dies richtete sich nicht nur gegen die KP Thailands, sondern auch gegen sozialistische Wirtschaftsideen in den eigenen Reihen. Der progressive Finanzminister Pridi Phanomyong musste daraufhin Thailand für sechs Monate verlassen. Nach seiner Rückkehr wurden bis 1941 einige seiner Ideen umgesetzt (Ausbau der Grundschulen, staatliche Betriebe). 1933 wurde unter maßgeblicher Beteiligung Pridis die Thammasat-Universität in Bangkok gegründet, die mit ihrem liberalen Selbstverständnis bis heute ein Symbol für Freiheit und Demokratie geblieben ist. Gleichzeitig erstarkte die nationalistische, am totalitären Gedankengut Italiens, Deutschlands, Japans, aber auch der „Jungtürken“ (Kemal Atatürk) orientierte Fraktion in der Volkspartei.

1935 dankte König Prajadhipok nach einem Verfassungskonflikt mit der Volkspartei-Regierung ab. Ihm folgte sein neunjähriger Neffe Ananda Mahidol nach, der noch in der Schweiz zur Schule ging. Ein dreiköpfiger Regentschaftsrat übernahm stellvertretend für ihn die Geschäfte.

Nationalismus unter Feldmarschall Phibunsongkhram 1938 wurde Feldmarschall Phibunsongkhram, ein offener Anhänger Mussolinis und Hitlers, Premierminister. Bis 1942 erließ er eine Reihe von kulturellen Verordnungen (ratthaniyom), die den Wunsch nach gesellschaftlicher Modernisierung, aber auch einen autoritären und übersteigert nationalistischen Geist widerspiegelten. Als erstes änderte er den Landesnamen von Siam 1939 in Thailand (Prathet Thai – „Land der Freien“). Dies richtete sich gegen die ethnische Vielfalt im Land (Malayen, Chinesen, Laoten, Shan etc.) und gründet auf der Idee einer „Thai-Rasse“, einem pan-thailändischen Nationalismus, dessen Programm die Integration der Shan, der Laoten und anderer Tai-Völker, etwa in Vietnam, Birma und Südchina in das Königreich vorsah. Weitere Erlasse geboten den Bürgern, sich nur als „Thai“ zu bezeichnen, drängten den Gebrauch regionaler Dialekte und anderer Sprachen zurück, verlangten Ehrfurcht vor der Flagge, der National- und Königshymne, den Kauf von thailändischen Produkten, und setzten das Vertreten ausländischer Interessen mit Landesverrat gleich. Chinesische Namen mussten in thailändische geändert werden, Kandidaten für die Militärakademie mussten nachweisen, dass sie „reinrassige“ Thais waren. Schließlich wurde der Gebrauch westlicher Kleidung und Sitten (unter anderem Hüte für Männer und Frauen, dazu Handschuhe und hohe Absätze für Frauen; der Mann sollte die Frau küssen, bevor er zur Arbeit ging) vorgeschrieben. Die vernichtende Niederlage Frankreichs gegen Deutschland im Zweiten Weltkrieg war nun der willkommene Zeitpunkt für die thailändische Führung, einen Angriff auf die französische Kolonie Indochina zu beginnen. Dieser begann 1940 mit kleineren Zusammenstößen und mündete 1941 in einen kriegerischen Konflikt. Hierbei dominierte Thailand zwar zu Lande und in der Luft, musste jedoch eine schwere Niederlage in der Seeschlacht von Ko Chang hinnehmen. Das Japanische Kaiserreich, damals bereits dominierende Großmacht im südostasiatischen Raum, übernahm die Rolle des Vermittlers. Die Verhandlungen beendeten den Französisch-Thailändischen Krieg mit thailändischen Gebietsgewinnen in den französischen Kolonien Laos und Kambodscha.

Zweiter Weltkrieg – Die japanische Expansion 1941 (siehe Pazifikkrieg) brachte Thailand in eine prekäre Position. Die Thais verbündeten sich anfangs mit den Japanern, als diese in Indochina die Kontrolle übernommen hatten. Thailändische Truppen besetzten etwa 25000 Quadratmeilen der Provinz Battambang, ein Gebiet das 1907 an Französisch-Indochina verloren gegangen war. Die offizielle Abtretung erfolgte mit Unterstützung der Japaner am 21. August 1941 in Saigon.

Aufgrund seiner strategisch bedeutsamen Lage zwischen den damals britischen Kolonien Malaya und Birma übte Japan Druck auf Phibun aus, seine Truppen über thailändisches Gebiet marschieren zu lassen. Nach der Eroberung nahezu ganz Südostasiens durch Japan schloss Thailand im Dezember 1941 einen Bündnisvertrag mit Japan. Dies führte jedoch zu einem endgültigen Bruch zwischen Pridi Phanomyong und Phibun Songkhram. Pridi gründet mit seinen Anhängern eine Widerstandsbewegung gegen die Japaner, die sich mit der von Seni Pamoj (thailändischer Botschafter in den USA) geleiteten Seri-Thai-Bewegung verband. Die japanische Armee stationierte in Bangkok und in der westlichen Provinz Kanchanaburi, durch die die strategisch wichtige Eisenbahn (Todeseisenbahn genannt) über den Khwae Noi (River Kwai) geführt werden sollte, 150.000 Soldaten. Gebaut wurde von Juni 1942 bis Oktober 1943, es starben über 90.000 Menschen.

Überzeugt davon, dass Japan den Krieg gewinnen werde, schloss Phibun Anfang 1942 ein förmliches Militärbündnis. In der Folge erklärte Thailand Großbritannien und den USA den Krieg. Der thailändische Botschafter in den USA verweigerte jedoch die Überbringung der entsprechenden Urkunde. Jedoch besetzte die thailändische Armee Teile der nordmalaiischen Staaten und war somit direkter Kriegsgegner des Vereinigten Königreichs und musste diesem nach Kriegsende 1,5 Millionen Tonnen Reis als Reparation liefern.

(source: wikipedia.org – http://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_Thailands)

 

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